Ist Kalabaka eine fahrradfeindliche Stadt?
Bei gutem Wetter und voller Bewegungsfreude feierten wir am Freitag, dem 25. September 2026, an unserer Schule, dem 2. Gymnasium von Kalabaka, den 13. Panhellenischen Schulsporttag. Er fällt mit dem Europäischen Schulsporttag zusammen. Der 2014 eingeführte Schulsporttag verbindet jedes Schuljahr mit einem Thema, das praktisch erlebt werden soll. Das diesjährige Rundschreiben stand unter dem Leitgedanken „Ein Sprung in die Zukunft“ und dem Motto „Ein Sprung. Ein Griechenland. Ein gemeinsamer Traum“. Der Sprung, so hieß es, stehe für „Anstrengung, das Überwinden von Hindernissen und persönliche Weiterentwicklung“. Der Wert der Teilnahme erschöpfe sich nicht in der Messung der Leistung.
Unsere Sportlehrerin informierte die Schülerinnen und Schüler über die Vorteile von Bewegung und regelmäßiger körperlicher Aktivität. Anschließend gingen wir zum städtischen Stadion von Kalabaka, wo die Kinder an Leichtathletik, Fußball, Basketball und weiteren Aktivitäten teilnahmen. Der Tag bot uns Gelegenheit, uns zu bewegen, zu spielen und zusammenzuarbeiten – mit Freude und ohne Leistungsdruck.
Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern brachte unter meiner Anleitung Fahrräder mit. Wir setzten die Helme auf und fuhren gemeinsam zum Stadion. Zuvor öffneten wir Google Maps, um uns die Strecke anzusehen. Die Kinder wollten eine Fahrradroute auswählen, doch für Kalabaka wurde diese Möglichkeit nicht angeboten. Dieser kleine Moment gab den Anstoß, über die Vorteile des Fahrrads und seine stärkere Einbindung in unsere täglichen Wege zu sprechen.
Das Fahrrad gehört zur Mikromobilität, ebenso wie Elektrofahrräder, Tretroller und andere kleine Fahrzeuge, die vor allem kurze Wege in der Stadt erleichtern. Sie können Staus und Luftverschmutzung verringern, fördern zugleich die körperliche Betätigung und machen die Fortbewegung flexibler. Damit man sie nutzen kann, braucht es allerdings sichere, geeignete Infrastruktur. Dass wir auf der Karte keine Fahrradroute fanden, war somit mehr als eine technische Einzelheit: Es zeigte, wie schwierig Radfahren in Kalabaka noch immer ist.
Das Problem unserer Stadt sind nicht ihre vielen Steigungen. Selbst ein einfaches Fahrrad mit Gangschaltung kann im kleinsten Gang auch weniger Trainierten helfen, sie zu bewältigen. Die wirklichen Hindernisse sind die zahllosen Bodenwellen, Schlaglöcher und Unebenheiten im Asphalt, die nach Arbeiten an Wasserleitungen, Glasfaserkabeln, Erdgasleitungen und anderen Versorgungsnetzen zurückbleiben. Unter dem Druck, ihre Aufträge rasch abzuschließen und zu übergeben, sorgen die Unternehmen oft nicht ausreichend für die Wiederherstellung der Fahrbahn. Die Gemeinde Meteora bleibt seit Jahren Zuschauerin: Sie kontrolliert die Arbeiten nicht wirksam, nimmt sie selbst in dem schlechten Zustand ab, in dem die Bautrupps die Straßen zurücklassen, und sorgt nicht dafür, dass die Fahrbahnen ordnungsgemäß instand gesetzt werden. Dabei verpflichtet das Gesetz1 die zuständigen Stellen, die Straßen in ihrer Verantwortung regelmäßig zu überprüfen. Werden Schäden nicht vollständig und fachgerecht beseitigt, muss der Straßenbaulastträger sie selbst beheben und die Kosten von der Person einziehen, in deren Auftrag die Arbeiten ausgeführt wurden.
Am Ende zahlen die Bürgerinnen und Bürger den Preis: Sie müssen sich auf schlecht unterhaltenen Straßen fortbewegen, besonders schwierig ist das mit dem Rad. Eine Fahrt auf der Trikalon-Straße, der Hauptstraße der Stadt, kann zur regelrechten Qual werden. Ohne geeigneten, sicheren Raum oder Radweg steigt zudem die Gefahr von Unfällen und Verletzungen. So wird eine Stadt, die auch fahrradfreundlich sein könnte, dem Fahrrad gegenüber feindlich.
Das Fehlen geeigneter Infrastruktur ist natürlich nicht bloß eine Frage der Bequemlichkeit. Es geht um die Sicherheit von Radfahrenden und Fußgängern und um das Recht aller, sicher unterwegs zu sein. Der diesjährige Europäische Schulsporttag widmete sich der aktiven Mobilität mit der Botschaft „Gehen, Rad fahren, sich bewegen“. Er regte dazu an, überall dort, wo die örtlichen Gegebenheiten und die Verkehrsregeln es erlauben, sichere und nachhaltige Wege der Fortbewegung zu wählen. Damit aus dieser Anregung Wirklichkeit wird, ist die entsprechende Infrastruktur nötig.
Wie wertvoll sie im Alltag ist, zeigt das benachbarte Trikala. Dort ist das Fahrrad ein alltägliches Verkehrsmittel, und das Radwegenetz wird stetig erweitert. 2023 teilte die Stadt Trikala mit, dass bereits rund 17,5 Kilometer Radwege im Bau seien; insgesamt sollte das Netz 20 Kilometer erreichen. Im September 2025 führte eine von der Stadt organisierte Radtour über 8,9 Kilometer und verband vorhandene mit neueren Radstrecken. Im Juni 2026 wurde im Südosten der Stadt außerdem ein etwa 2,5 Kilometer langer Radweg fertiggestellt. Diese Entwicklungen zeigen ein Netz, das Radverkehr inzwischen in weiten Teilen der Stadt ermöglicht und weiter wächst.
Auch Karditsa hat eine ausgeprägte Fahrradtradition.2 Dort gibt es ein Radwegenetz, und weitere Maßnahmen zu dessen Ausbau und Verbesserung sind geplant. Ein Projekt im Programm „Thessalien 2021–2027“ mit einem Gesamtbudget von 2.089.070 Euro sieht Radwege und grüne Routen sowie die Anschaffung von 23 öffentlich nutzbaren Elektrofahrrädern vor. Trikala und Karditsa zeigen auf unterschiedliche Weise, wie sich Respekt gegenüber Fußgängern und Radfahrenden konkret in der Stadtplanung ausdrücken kann.
Auch unsere Erfahrungen im Ausland unterscheiden sich von der Situation in Kalabaka. In Dänemark, das wir im Rahmen des Erasmus-Programms unserer Schule besuchten, gibt es elf nationale Fahrradrouten mit einer Gesamtlänge von mehr als 4.000 Kilometern. Einige gehören zum europäischen EuroVelo-Netz. In den größeren Städten sahen wir viel mehr Menschen auf Fahrrädern als in Autos. Wer möchte, kann sogar mit dem Rad ins benachbarte Schweden weiterfahren.
Ähnliches erlebten wir bei einem anderen Schulbesuch in Köln. Die Lehrkräfte dort erzählten uns, dass sie manchmal von Köln nach Solingen radelten – eine Strecke von ungefähr 38 Kilometern. Nicht überall handelt es sich um durchgehende, ausschließlich dem Radverkehr vorbehaltene Wege. Es gibt jedoch geplante und kartierte Fahrradrouten, auch wenn einzelne Abschnitte nicht lückenlos oder vollständig ausgeschildert sind. Die Fahrradkultur zeigte sich ebenso an der Schule in Solingen, die wir besuchten und die unserem Gymnasium entspricht: Dort gab es eine Werkstatt mit spezialisierten Fachkräften für Wartung und Reparatur der Schülerfahrräder sowie eigens ausgestattete Fahrradstellplätze.
🙃 Vielleicht scheint in diesen nördlichen Ländern natürlich an den meisten Tagen die Sonne, während bei uns in Griechenland das ganze Jahr hindurch Schnee, Regen und Kälte den Bau von Radwegen und ihre Nutzung während eines Großteils des Jahres verhindern! 🙃
In Kalabaka bleibt das Fahrrad, anders als in den Nachbarstädten und in vielen entwickelten Städten weltweit, oft eine schwierige und unsichere Wahl. Dabei hätte unsere Region allen Grund, das Radfahren ernsthaft zu fördern: In unserer Stadt vermieten Unternehmen herkömmliche und elektrische Fahrräder, und viele Gäste möchten die Landschaft, Geschichte und Kultur von Meteora auf unmittelbare Weise erleben. Ist es nicht merkwürdig, dass sie ihre Fahrt genießen und sich zugleich fragen, warum sichere, eindeutig ausgewiesene Fahrradrouten fehlen?
Diese Überlegungen sind nicht neu. In zwei früheren Beiträgen aus 20233 und 20244 schlugen wir vor, das Flussbett und die Ufer des Pineios aufzuwerten und zwischen Kalabaka und Trikala einen rund 30 Kilometer langen grünen Fuß- und Radweg anzulegen. Zunächst könnte er an einem Ufer verlaufen und Bäume, Bänke, Rastplätze und Informationstafeln bieten. Er würde nicht nur Fußgängern und Radfahrenden dienen, sondern Einwohnern und Gästen auch ermöglichen, Orte von landschaftlichem und historischem Interesse kennenzulernen: den Platanenwald bei Diava, die Brücke von Sarakina oder das Herrenhaus von Peristera. Informationstafeln könnten auf etwas weiter entfernte Stätten wie die „Burgen“ beziehungsweise Wachposten von Agia Paraskevi und Vytoumas hinweisen. Später ließe sich die Route mit weiteren Rad- und Wanderwegen in Richtung Portaikos, Karditsa oder Larissa verbinden. Mehr Menschen am Fluss würden außerdem dazu beitragen, ihn vor illegaler Müllablagerung zu schützen.
Dennoch haben wir den Eindruck, dass den Verantwortlichen unserer Stadt – und vielen Einwohnern – eine solch naheliegende Einrichtung, die in so vielen bürgerfreundlichen Städten selbstverständlich ist, als unglaublicher und überflüssiger Luxus erscheint, über den es sich nicht einmal nachzudenken lohnt. Während eine echte Unterstützung des Radverkehrs ausbleibt, werden gelegentlich Feste und Fahrradumzüge auf den für Radfahrende und Fußgänger gefährlichen Straßen Kalabakas organisiert, ohne praktisches Ergebnis: Veranstaltungen für den schönen Schein und die Öffentlichkeitsarbeit statt für die Sache.
Betrachten wir nun Kalabakas Straßen: Auf der Trikalon-Straße und anderen Straßen könnten Radwege entstehen. Besonders die Pindou-Straße vor dem Bahnhof eignet sich für Fuß- und Radwege. Heute ist sie jedoch Teil der Nationalstraße 6 und wird von Lastwagen und anderen Fahrzeugen befahren, die die Stadt in Richtung Ioannina, Grevena oder Trikala durchqueren. Eine Umgehungsstraße würde den Durchgangsverkehr fernhalten und die Stadt entlasten. Trotzdem wurde ihr Bau seit Jahren nicht ernsthaft eingefordert.
Würde die Pindou-Straße ihre Funktion als Nationalstraße verlieren, könnte sie sich in eine schöne städtische Achse verwandeln: mit Fuß- und Radwegen, vielen Bäumen, gepflegtem öffentlichem Raum und instand gehaltenen Fassaden. Im Mittelpunkt stünden die Rettung und Präsentation der denkmalgeschützten Bahnhofsgebäude. Sie verfallen und stürzen Tag für Tag weiter ein, obwohl ihr Schutzstatus uns – als Einwohner Kalabakas und als Gemeinde – verpflichtet, sie zu bewahren und ihre Geschichte sichtbar zu machen. Sie sind mit der Geschichte der Thessalischen Eisenbahnen und dem Werk des Ingenieurs Evaristo de Chirico verbunden, ebenso mit seinem Sohn, dem bedeutenden Maler Giorgio de Chirico. Wie wir bereits vorgeschlagen haben,5 könnten sie ein Eisenbahnmuseum oder eine Kunstgalerie beherbergen. Die Pindou-Straße wäre dann keine trostlose, überlastete Durchgangsstraße mehr, sondern ein Anziehungspunkt und Aushängeschild der Stadt. Sie würde nicht länger den Eindruck verstärken, neben dem wunderschönen Meteora und den Bergen liege eine hässliche, schwer erträgliche Stadt, die Fußgängern und Radfahrenden feindlich gegenübersteht.
Die Veranstaltungen des Panhellenischen Schulsporttags sind vorbei, doch die Frage, die sie aufgeworfen haben, bleibt: Soll das Fahrrad für unsere Kinder nur eine Beschäftigung für einen Tag sein oder jeden Tag eine sichere Möglichkeit? „Gehen, Rad fahren, sich bewegen“ darf kein bloßer Spruch auf einem Plakat bleiben, wenn die Straßen der Stadt selbst den einfachsten Weg erschweren oder davon abschrecken. Es reicht nicht, Kinder zum Radfahren aufzufordern; wir schulden ihnen Straßen, auf denen sie es sicher tun können. Sonst bleibt „Ein Sprung in die Zukunft“ ein schöner Slogan ohne Bedeutung für den Alltag in Kalabaka.
Anmerkungen
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1. Inoffizielle Übersetzung der im griechischen Original zitierten Passage: „7. Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Daseinsvorsorge, insbesondere EYDAP S.A., DEI S.A., OTE S.A. und DEPA S.A., kommunale Wasser- und Abwasserbetriebe sowie alle natürlichen und juristischen Personen, die Arbeiten an Straßen ausführen, sind verpflichtet, Einschnitte und sämtliche Schäden an der Fahrbahn und an anderen Einrichtungen der Verkehrssicherheit innerhalb der in der Genehmigung der für die Straßenunterhaltung zuständigen Behörde gemäß Artikel 47 Absatz 3 des Gesetzes 2696/1999 (Straßenverkehrsgesetz, Amtsblatt 57 A) genannten Frist vollständig zu beheben. Diese Frist darf zehn (10) Tage nach Abschluss der Arbeiten an den wieder für den Verkehr freigegebenen Straßenabschnitten nicht überschreiten. Werden Schäden und Einschnitte nicht oder nach Einschätzung des zuständigen Straßenbaulastträgers nicht fachgerecht und ausreichend beseitigt, muss dieser die Schäden auf Kosten und für Rechnung der Person beheben, in deren Auftrag die Arbeiten ausgeführt wurden, und anschließend die betreffenden Kosten nach den Vorschriften über die Einziehung öffentlicher Einnahmen festsetzen und einziehen.“ Gesetz 3481/2006, Amtsblatt 162/A vom 2. August 2006.
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2. „Die griechische Stadt, in der mehr als 30.000 Fahrräder unterwegs sind – fast so viele wie Autos“.
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3. „Aufwertung des Flussbetts und der Ufer des Pineios von Kalabaka bis Trikala und Anlage eines Uferwegs für Fußgänger und Radfahrer“, www.vlioras.gr, 24. Februar 2023.
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4. „Ein Rad- und Wanderweg am Flussufer mit grünem Vorzeichen“, www.vlioras.gr, 5. Januar 2024.
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5. „Der Ingenieur Evaristo de Chirico, der Maler Giorgio de Chirico, Kalabaka und Meteora“, www.vlioras.gr, 14. Juni 2019; und „Die italienische de-Chirico-Stiftung und Kalabaka“, www.vlioras.gr, 28. Juni 2019.